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Brücken-Center Ansbach

Interview mit Helmut Hansen von expovivo

Avatar of admin admin - 20.07.2018 - Vorgestellt!

Helmut Hansen ist seit 2009 Ausstellungsbetreuer bei der Schweizer Firma expovivo und regelmäßig mit seinen Tieren zu Gast im Brücken-Center Ansbach. Nach der Schule absolvierte er zunächst eine Lehre im Einzelhandel – sein Herz schlug aber seit frühester Kindheit für etwas anderes.

Sein ganzes Leben dreht sich um Tiere: Er hat ein Buch über Königsnattern verfasst, war Besitzer eines Reptilien-Restaurants, hat zusammen mit einem befreundeten Musiker ein Kinderlied für „Hugo – der Gecko“ komponiert und als Erster erfolgreich Albino Nattern nachgezüchtet.  Wir wollten von Helmut Hansen wissen,  was ihn an seinem Beruf besonders fasziniert, wie sein Tagesablauf im Dschungel aussieht und welches Tier er gerne selbst wäre.

Haben Sie eine Lieblingsausstellung, die Sie besonders gerne betreuen? Und wenn ja, welche?

Die Insektenausstellung „Sechs Beine erobern die Welt“ ist definitiv meine Lieblingsausstellung, da ich mich am besten mit diesen Tieren identifizieren kann. Außerdem fasziniert mich die Artenvielfalt. Gleichzeitig ist die Ausstellung in der Pflege aber auch sehr anspruchsvoll – wir haben immerhin rund 1.000 Tiere in 27 Terrarien dabei. Diese müssen gefüttert und gewässert werden, das Klima muss überprüft und Pflanzen ausgetauscht werden.  An zweiter Stelle steht die Äquator –Ausstellung mit Reptilien, Spinnen und Amphibien.

Wie viele Tage im Jahr sind Sie mit den Tieren als Ausstellungsbetreuer unterwegs?

 Von Januar bis Anfang November, also rund 10 Monate reise ich mit der Ausstellung fast ununterbrochen durch Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg und lebe meist aus dem Koffer. Einen festen Wohnsitz im eigentlichen Sinne habe ich nicht. Die restlichen zwei Monate bin ich dann im Dschungel Borneos unterwegs.

Welchen Berufswunsch hatten Ihre Eltern für Sie?

Ich stamme aus einer klassischen Handwerkerfamilie, daher war der Wunsch klar definiert: Schreiner, Elektriker oder ähnliches sollte es sein. Letztendlich begann ich dann eine Ausbildung im Einzelhandel. Mein Herz schlug aber schon seit meiner Kindheit für Tiere jeglicher Art, insbesondere Schlangen.

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Obwohl es in meiner Familie eher wenig Anknüpfungspunkte zu Tieren gab, haben mich diese schon immer fasziniert und interessiert. Insbesondere mein damaliger Biologie-Lehrer hat mir dann Pflanzen- und Tierwelt bei Exkursionen näher gebracht. Als Kind war mein größter Wunsch eine eigene Schlange, die ich natürlich nicht bekommen habe.
Als ich mit 18 Jahren von zu Hause auszog, habe ich mir diesen Wunsch noch vor dem Kauf von Möbeln oder ähnlichem erfüllt. Daraus wurde dann zunächst ein Hobby. Nach einigen Jahren habe ich mit einer Ausbildung als Tierpfleger begonnen und mich mit einem Reptilienfachhandel selbstständig gemacht. Darauf folgte dann eine Eventlocation mit Reptilien-Restaurant. Am Ende hatte ich dann rund 750 Schlangen. Nachdem die behördlichen Auflagen nicht mehr umsetzbar waren, bin ich schließlich als Ausstellungsbetreuer zur Firma expovio gewechselt.

Was fasziniert Sie an Ihrem Beruf besonders?

Die Vielfalt – aber auch die wunderbare Anpassungsfähigkeit der Tiere. Insekten, die sich als Blätter, Äste oder Blüten tarnen und so scheinbar fast mit der ihrer Natur verschmelzen.  Mit Tieren zusammenzuarbeiten ist einfach mein Traumjob.

Mein Lieblingstier der Ausstellung ist eine Schabe – sie heißt „Willi“ und ist ca. 2 Jahre alt. Sie kann ich unter tausende von Schaben erkennen. Falls ihr Willi kennen lernen möchtet – er ist bei fast jeder Führung dabei und lässt sich immer brav von den Besuchern halten.

Wie viele Länder und Kontinente haben Sie bisher bereist?

Bis auf Australien habe ich jeden Kontinent bereist. In Zeiten meiner Schlangenzucht war ich häufig auf Forschungsreisen in den USA unterwegs. Jetzt bin ich hauptsächlich in Asien, speziell Malaysia unterwegs, um dort die Insektenwelt im tropischen Regenwald zu erkunden.

Welches Tier wären Sie gerne und warum?

Entweder eine Schlange, da sie genauso nachtaktiv ist wie ich. Außerdem fasziniert mich ihre Fortbewegungsweise und es sind durchaus schlaue Tiere.

Oder ich wäre eine Riesenschildkröte: die hat ein langes, gemächliches Leben.

Welches Tier ist aus Ihrer Sicht das außergewöhnlichste?

Puh, das ist eine schwierige Frage – es gibt so viele tolle Tiere. Aber aus der Ausstellung würde ich die Riesen-Sichelschrecke wählen. Das lauteste Insekt der Welt – bei Gefahr macht sie Geräusche so laut wie eine Motorsäge.

Obwohl sie ein eher schlechtes Image haben, finde ich das gesamte Verhalten der  Gottesanbeterinnen sehr faszinierend. Die ausgezeichnete Tarnung der Insekten je nach Umgebung, die Monsterstellung bei Bedrohung und vieles mehr.

Wie viele Monate pro Jahr leben Sie im Dschungel?

Immer im deutschen Winter bin ich für 2 Monate mit den Eingeborenen im Dschungel Borneos unterwegs.

Wie sieht ein typischer Tagesablauf dort aus?

Erstmal ausschlafen. Das Dorf, in dem ich dort wohne, ist wie vor 400 Jahren – es gibt keinen Strom, kein Auto, keine sanitären Anlagen oder Möbel. Man erreicht es nur über eine 2 Stunden lange Bootsfahrt. Der Fortschritt hält hier nur langsam Einzug.  Tagsüber versammelt sich das Dorf vor dem Longhaus. Hier wird am offenen Feuer gekocht, mit den Kindern Kokosnuss-Fußball gespielt oder sich in der Hängematte ausgeruht. Die Kinder bringen mir auch oft Insekten vorbei. Bei Einbruch der Dunkelheit gehe ich mit den Männern des Dorfes in den Dschungel – sie auf der Jagd nach Essen und  ich auf der Suche nach neuen Insekten, da diese meistens nachts aktiv sind.


Helmut Hansen im Dschungel Borneos. Foto: privat.

Wie viele unbekannte Tiere haben Sie dort bisher entdeckt?

Oh, das kann ich nicht genau sagen. Aber zum Beispiel letztes Jahr ist mir ein schwarzer Tausendfüßler mit  neonrot – gelber Unterseite über den Weg gelaufen. Wenn er sich bewegt, sieht es aus, als ob er leuchtet.

Was war Ihre einprägsamste Begegnung mit einem Tier?

Eher unangenehm sind die Begegnungen mit Radnetzspinnen. Diese Spinnenart spannt sehr feste, klebrige Netze mit einem Durchmesser von bis zu 5m. Damit fängt sie zum Beispiel auch kleine Vögel oder Flughunde. Wenn man selbst in so ein Netz rennt, macht das keinen Spaß. Es dauert ewig, bis man sich von den Spinnenfäden befreit hat.

Übrigens besteht ein Spinnennetz aus klebrigen und nicht-klebrigen Fäden. Die Spinne weiß genetischbedingt, welche  Fäden nicht haften und dadurch auch auf welchen sie sich fortbewegen kann.

Ihr persönlicher Lieblingsort?

Das Hochland von Borneo bzw. die Cameron Highlands in Malaysia.

Ihr Lebensmotto?

Positiv denken und immer offen für Neues sein.

Wie gefällt es Ihnen in Ansbach und im Brücken-Center?

Sehr gut. Die Menschen hier sind sehr freundlich und wissbegierig. Oft erzählen sie mir auch eigene Geschichten, die sie mit Tieren erlebt haben oder möchten wissen, welche Spinne sie da zu Hause fotografiert haben. Egal ob Reinigungskraft, Mitarbeiter aus den Geschäften oder Kunden – alle sind sehr nett zueinander und es ist immer viel los im Center.

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